Tag 4, Donnerstag, 2. Juli 2026

Heute morgen musste ich mich mit dem Abbau etwas sputen, denn es sind dunkle Wolken aufgezogen. Ein norwegischer Nachbar, der in Deutschland Zahnmedizin studiert hat, meinte, es gäbe heute und vielleicht noch ein wenig morgen Regen.

Und als ich losfahre, beginnt es schon zu tröpfeln. Bald ergießt sich ein regelrechter Schauerregen über Fahrrad und mich. Für die nächsten Stunden bleibt das so.

Nachdem von der Regenfahrt nichts Besonderes zu berichten ist, schildere ich ein paar Gedanken zu einer besonderen Kirchenruine, die ich gestern besuchte.

Kurz nach der Fähr-Überfahrt von Helgeroa nach Langesund mache ich einen Abstecher zum kleinen Dorf Bamble. Denn dort steht die Ruine einer Olavskirche, auf die ich bei der Vorbereitung der Tour aufmerksam wurde. Sie wurde ca. 1050 im normannisvhen Stil erbaut und ist damit eine der ältesten Steinkirchen Norwegens. Und natürlich erinnert sie mich an meine erste PfarrRadTour in diesem Land, die sich auf den Spuren jenes Königs bewegte, der die Einführung des Christentums in Norwegen initiiert und maßgeblich gefördert hat.

Die Kirche wurde zwar schon im Mittelalter, kurz nach der Reformation, aufgegeben und teilweise abgebrochen, aber ihre Reste strahlen immer noch eine besondere Atmosphäre aus. Ich denke, dass man darum auch in der ehemaligen Sakristei eine Kapelle eingerichtet hat – und dass sich deshalb auch immer noch so viele Menschen in ihrer Nähe bestatten lassen.Ich nehme mir fast eine Stunde Zeit, umrunde die Mauern und suche mir einen Platz im Innern. Dabei lasse ich meine Gedanken kreisen um das was hier einmal war – und im das, was Menschen heute noch mit diesem Gebäude verbinden.

„Steine können sprechen!“, hat Mal jemand gesagt. Vielleicht muss man ihnen nur zuhören können…!

Einen Tag später treffe ich zur Mittagszeit im Ort Helle ein. Es regnet immer noch in Strömen – und ich muss zum Einen etwas einkaufen – und zum Anderen mein durchgeschwitzt es Shirt wechseln. Letzteres erledige ich im Unterstellplatz für Einkaufswagen des Discounters, in dem ich einkaufen will. Bei den Wägen hat auch ein junger Norweger Schutz gesucht, der gerade eine Tour Norwegen, Dänemark und Schweden unternimmt. Wir kommen ins Gespräch und erzählen über Gott und die Welt, sowie über die Deutsche Bahn und die Norwegischen Eisenbahnen. Die Wetterapp meines Gesprächspartners meint, dass es um 14.30 Uhr aufhört zu regnen. Aber so lange will ich nicht warten. Als sich der junge Norweger zur Gaststätte gegenüber aufmacht, breche ich gegen 14.30 Uhr auf und fahre noch eineinhalb Stunden im strömenden Regen.

Dann hört es tatsächlich auf und ich komme in der Tat einigermaßen getrocknet bei der Fähre in Oysang an, welche mich nach Risoer bringen soll. Dort habe ich mir auf einen Tipp in einem der Foren hin schon einen schönen „Freiluftzeltplatz‘ mit Bio Toilette zum Wildcampen ausgesucht. Aber leider komme ich eine Dreiviertel-Stunde zu spät, weil die Fähre um 16.00 Uhr den Tagesbetrieb eingestellt hat. Also muss ich mir etwas Anderes suchen. Nach einiger Zeit finde ich auch zufällig etwas Passendes, was letzten Endes wie eine Kopie des Platzes wirkt, den ich mir in Risoer ausgesucht habe – schöne Aussicht inkludiert. Und so nimmt der Tag doch noch ein einigermaßen versöhnliches Ende!

Tagesleistung: 67 km in gut sechseinviertel Stunden, 887 Hm.

Viele Grüße von der Tour und bleiben Sie behütet!