Oktober 2023

Liebe Gemeinde,
da war es wieder, das Bild von der Familie, die aus dem Urlaub nach Hause kam – und kurz nach ihrer Ankunft ohnmächtig zusehen musste, wie ihr Haus – mit allem, was darinnen war – ein Raub wütender Flammen wurde!

Es stand wieder vor mir, dieses Bild, als ich erfuhr, dass – kurz bevor ich diese Zeilen schrieb – in meiner unmittelbaren Umgebung, nur wenige Meter entfernt, eines der ältesten Häuser Böhls gnadenlos niederbrannte.
Da war es wieder, dieses Bild aus einer fern geglaubten Zeit, aus einem Einsatz als Notfallseelsorger vor einigen Jahren, das sich offensichtlich tief in mein Gedächtnis eingesenkt hat. Damals wurde ich nach dem Einsatz gefragt, was man eigentlich sagen soll in so einer Situation.

Diese Frage kannte ich schon, denn sie stellt sich auch dann immer wieder, wenn Menschen sich Gedanken machen, wie sie sich gegenüber Trauernden verhalten sollen, denen ebenfalls gerade der Boden unter den Füßen weggezogen wird, weil sie jemanden verloren haben, der oder die eine tragende Rolle in ihrem Leben spielte.

Mit dieser Frage ist oft eine große Angst verbunden! Denn: Man möchte da nichts falsch machen, möchte den Mitmenschen nicht verletzen, möchte nicht alles noch schlimmer machen.

Diese Angst ist nicht ganz unberechtigt. Doch es gibt eine Angst, die ist oft sogar größer als die vor den falschen Worten: Das ist die Angst davor, sprachlos zu sein – und gar keine Worte zu finden!
Dabei ist es oft das Klügste, was man tun kann: nämlich nichts zu sagen! Das haben die Freunde Hiobs z.B. gut gemacht, als sie ihn besucht – und erst einmal mit ihm geschwiegen haben. Das Elend begann erst, als sie meinten, kluge Dinge von sich geben zu müssen.

Wichtig ist, da zu sein – und damit die Bereitschaft zu zeigen, das Leid des oder der anderen mitzutragen! Viele Trauernde leiden noch zusätzlich zu ihrer Trauer darunter, dass sie von anderen aus einer großen Unsicherheit heraus gemieden werden.
Dagegen höre ich von Trauernden immer wieder: „Es ist gut, wenn jemand da ist – ohne viel zu sagen, oder ohne etwas Großartiges zu tun – einfach da ist!“

Darum geht es wohl: Dass wir uns nicht wegducken oder abwenden, wo Begegnung nötig wäre, sondern dass wir uns stellen, auch und gerade, wenn wir nicht so recht wissen, was wir nun tun oder sagen sollen!
Unsere Böhler Mitbürger, deren Haus gerade abbrannte, haben wohl solche Solidarität erfahren. Und ich bin überzeugt, dass sie auch weiterhin Solidarität und Zuwendung erfahren werden, wo immer das nötig ist.
Und wenn das geschieht, dann kann vielleicht auch wahr werden, was der Monatsspruch für den November jenen verheißt, die zu einer anderen Zeit und in einem anderen Sinn Trauer trugen über eine verlorene Existenz: Dass es nämlich eine Zeit der Trauer gibt, in der Tränen vergossen werden, dass es aber mit Gottes Hilfe auch eine Zeit der Freude darüber gibt, dass Trauer geteilt wurde – und sich damit eine neue Freude am Leben auf den Weg machen konnte.

Und das ist dann ein ganz anderes Bild, als das der Ohnmacht angesichts von manchen Großbränden in unserem Leben. Es ist ein Bild der Hoffnung und der Zuversicht!
Mögen solche Bilder Sie und Euch begleiten –
wünscht Ihr und Euer


Juli 2023

Liebe Gemeinde,
„Jetzt ist die Zeit!“, so lautet die Losung zum 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg. Für den Besuch der rund 2.000 Veranstaltungen werden ungefähr 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Einer davon werde ich sein.

„Jetzt ist die Zeit!“ – Für jeden und jede von uns hat dieser Satz wohl eine andere Bedeutung. Denn für die einen ist es jetzt im Moment an der Zeit, in Urlaub zu fahren. Während ich diese Zeilen schreibe, sind gerade Pfingstferien – und die großen Sommerferien wetterleuchten schon ganz bunt am bunten Vorstellungshimmel nicht nur von Schülerinnen und Schülern. Allen, die Ferien haben oder hatten, gönne ich diese freie Zeit von ganzem Herzen!

„Jetzt ist die Zeit!“ – Für andere unter uns ist auch die Ferienzeit eine Zeit der Arbeit. Wenn es gut läuft, dann ist diese Arbeitszeit zwar keine Erholung, aber hoffent-lich ist sie eine Zeit, gefüllt mit Sinn und mit Freude über viel Gelungenes!

„Jetzt ist die Zeit!“ – Jesus sagt diese Worte nach seiner Taufe zu Beginn seiner Wirksamkeit. Da ist für ihn die Zeit, in der etwas Neues beginnen soll. Nichts weniger als Gottes neue Zeit soll anbrechen!
Seitdem ist viel passiert! Und wenn man über die zwei Jahrtausende blickt, die seitdem vergangen sind, dann kann man zwei Dinge feststellen:
Zum Einen: Die Zeit ist noch nicht reif! Die Zeit ist noch nicht reif, dass sich alle haben berühren lassen vom guten Geist Gottes, dessen Kommen wir an Pfingsten gefeiert haben. Er ist noch nicht da – der Himmel auf Erden, der kommen soll, wenn der Geist Gottes zu jedem und jeder durchgedrungen ist!

Denn es gibt immer noch Menschen, die um des eigenen Vorteils willen ihre Raketen in Marsch setzen lassen und dabei Zerstörung und Tod in Kauf nehmen – sogar von zweijährigen Mädchen! Es gibt immer noch Menschen, die Gottes Schöpfung auf viele Arten zerstören, weil sie immer noch nicht begriffen haben, dass es in ihrem ureigensten Sinn ist, diese Schöpfung zu bewahren.

Und es gibt immer noch die Ungerechtigkeit, die macht, dass viele Menschen ihre Heimat verlassen , damit sie dann im Mittelmeer ertrinken.
Das alles gibt es – leider – immer noch und immer wieder!

Aber es gibt auch das Andere: Es gibt immer noch und immer wieder auch Menschen, die durch ihre Art zu leben etwas durchscheinen lassen vom Anbruch der neuen Zeit Gottes! Und nicht immer müssen das die ganz großen Taten sein!

Denn da gibt es z.B. junge Menschen, die in ihren Schulen als Streitschlichter/innen versuchen, für ein gutes, gerechtes und vor allem friedliches Miteinander zu sorgen.
Da gibt es Menschen, welche die achtlos hingeworfenen Kippen von anderen aufsammeln, damit das Grundwasser nicht unnötig verschmutzt wird.
Und da gibt es Menschen, die etwas abgeben, von dem, was sie haben, damit auch andere gut leben können.

Es sind die kleinen Aufbrüche, die machen, dass auch die großen Dinge gelingen können. Und dafür ist ei-gentlich immer die richtige Zeit: Im Urlaub und den Ferien – bei der Arbeit und im Alltag!
Eine gute und gesegnete Zeit wünscht Ihr und euer,


Februar 2023

Liebe Gemeinde,
Krieg in der Ukraine, rasant steigende Energie- und Lebenshaltungskosten, Engpässe bei der Lieferung wichtiger Medikamente, und so weiter – und so fort! Was gibt es da zu lachen? Ich muss gestehen, dass mich der Leitspruch für den Februar im ersten Moment genau darum etwas befremdet hat.

Wenn man aber genauer hinschaut, dann sieht die Sache ganz anders aus! Denn Sara findet ihre Lebensfreude wieder, nachdem ihre Hoffnung erfüllt und eine große Last von ihren Schultern genommen wurde. Wer es genauer wissen möchte, kann gerne noch einmal ab Kapitel 12 im ersten Mosebuch nachlesen, was Sara so zu schaffen machte.

Wir haben heute andere Probleme. Aber: Auch wir leben von und mit der Hoffnung, dass wir diese Probleme in den Griff bekommen und dass wir es schaffen, sie mit Gottes Hilfe zu lösen. Diese zuversichtliche Hoffnung kommt mir in den letzten Wochen und Monaten etwas zu kurz! Neben all‘ dem Klagen und all‘ dem Jammern kommt mir die Einsicht manchmal zu kurz, dass wir gerade hier in Deutschland die besten und größten Chancen haben, um die aktuellen Krisen zu meistern. Manches wird noch eine ganze Zeit dauern – und manches werden wir nicht alleine, sondern nur in der Solidarität mit anderen schaffen. Aber wir haben gute Chancen, dass das gelingt!

Dazu gehört auch, dass wir Politikerinnen und Politiker wählten, die mit großem Einsatz und mit großer Kompetenz an den Aufgaben arbeiten, die vor ihnen liegen. Wenn ich manche Leute reden höre, dann könnte ich den Eindruck gewinnen, dass wir von einem Haufen unfähiger Taugenichtse regiert werden. Aber so ist das ja nicht! Leider wird viel zu wenig davon geredet und geschrieben, was alles klappt und funktioniert in unserem Land. Nicht umsonst kommen sehr viele Menschen auch und gerade nach Deutschland, wenn sie nach einem besseren Leben suchen.

Über alle Krisen und Probleme hinaus haben wir also Grund zur Hoffnung, dass Gott uns immer wieder Freude schenkt, uns lachen und in neuer Perspektive leben lässt– so wie er es seinerzeit mit Sara gemacht hat. Auch wenn es nun schon einige Tage alt ist, möchte ich mir darum in diesem neuen Jahr nicht nur bange machen lassen, sondern möchte mich leiten lassen von diesem Grund der Hoffnung – auch und gerade im Blick auf die vielen Herausforderungen, die vor uns liegen. In diesem Sinne grüße ich Sie und euch alle ganz herzlich, verbunden mit den besten Wünschen für ein gu-tes und gesegnetes neues Jahr – an dessen Ende wir vielleicht doch ein wenig lachen können über das, was uns im Moment die Freude am Leben zu nehmen droht!
Ihr und euer,


Oktober 2022

Liebe Gemeinde,

seit einigen Jahren beschäftigt sich das Presbyterium unserer Kirchengemeinde schon mit der Frage, wie Gemeindearbeit in Zukunft aussehen wird und geleistet werden kann. Ein wesentlicher Aspekt unserer Überlegungen ist dabei der Umgang mit unseren Gebäuden. Ja, wir haben sie lieb, die Stätten, da Gottes Ehre wohnt und in denen wir ihm zur Ehre wirken und uns versammeln: die Kirche, das Gemeindehaus, den Kindergarten und das Pfarrhaus.

Ja, sie sind uns lieb, diese Stätten – und sie sind uns teuer! Angesichts von sinkenden Gemeindegliederzahlen, steigenden Energie- und Unterhaltskosten und rückläufigen Finanzmitteln hat das Presbyterium ein Konzept entwickelt, über das wir bei einer Gemeindeversammlung berichten möchten.

Inzwischen wurde die Dringlichkeit dieser Thematik auch von der Landeskirche erkannt. Bei der letzten Sitzung der Landessynode wurde deshalb ein Gesetz beschlossen, welches vorsieht, bis zum Jahr 2030 die Gebäudekosten um 30 % zu senken. Gleichzeitig wurde angesichts der prekären Energie- und Umweltsituation auch beschlossen, dass die CO2-Emissionen um 90 % reduziert werden sollen. Damit hat sich unsere Landeskirche ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, mit dem sie die Zukunft der Verkündigung und des gemeinsamen christlichen Lebens und Wirkens sichern und in Sachen Bewahrung der Schöpfung mit gutem Beispiel vorangehen will.

Um diese Ziele zu erreichen, wurde ein Projekt gestartet, in das alle Dekanate und Kirchengemeinden eingebunden sind. Es heißt: „Räume für morgen“ (www.raeume-fuer-morgen.de). Die Leitung liegt bei den Dekanaten. Dort werden z.Zt. Arbeitsgruppen installiert, deren Zusammensetzung sich in der Regel an den bestehenden Regionalgruppen orientiert. In unserem Fall ist dies die Verbandspfarrei. Bis zum Jahr 2025 sollen dort Vorschläge erarbeitet und dann von den Bezirkssynoden beraten und verabschiedet werden, wie die gesetzten Ziele erreicht werden können. In den Jahren 2026 bis 2030 sollen die vereinbarten Maßnahmen dann umgesetzt werden.

Damit steht uns eine spannende Zeit bevor, in der es hier vor Ort für das Presbyterium sicher auch einige (Mehr-)Arbeit geben wird. Das Presbyterium stellt sich dieser Aufgabe gerne. Da es uns wichtig ist, dies gemeinsam mit Ihnen, den Mitgliedern unserer Kirchengemeinde zu tun, laden wir zu der o.g. Gemeindeversammlung ein. Wir freuen uns über alle, die dieser Einladung folgen, um konstruktiv an der Zukunftsfähigkeit unserer Kirchengemeinde mitzuarbeiten.

In diesem Sinne Grüße ich Sie ganz herzlich,

Ihr