Tag 9, Dienstag, 7. Juli 2026

Bevor ich über den heutigen Tag schreibe, trage ich noch den Namen der Kirche aus Tag 5 nach: Es handelt sich um die Kirche in Dypvag. Wenn man die googelt und in der Übersicht in der rechten Spalte auf „alle Bilder“ drückt, öffnet sich ein Menü mit denselben. Da sieht man dann auch die angesprochenen Schiffsmodelle dieser Küstenkirche!
Nun aber zum heutigen Tag!

Nachdem ich in der Nacht spät ankam und der Weg nach Kristiansand nun nicht mehr so weit ist, lasse ich es heute etwas ruhiger angehen! D.h.: Ich stehe erst kurz nach sieben Uhr auf und erledige dann die Morgentoilette. Danach melde ich mich noch einmal bei der Rezeption an, erkläre kurz, warum ich noch einmal da bin und hole mir noch einmal so eine leckere Zimtschnecke. Nach dem Frühstück packe ich zusammen und starte kurz vor elf Uhr zur letzten Etappe vor der Rückreise.

Heute fahre ich den einfacheren und kürzeren Weg auf der alten, bzw. entlang der neuen E39. Die Steigungen sind hier nicht so radikal und der Belag ist recht gut, sodass ich zügig vorankomme.
Das Wetter ist schön. Es ist warm bis heiß.

In Soegne verlasse ich die Akte E39, weil ich mir auf dem Hinweg die Kirche und den alten Pfarrhof in diesem Ort für die Rückfahrt aufgehoben habe. Beide liegen etwas außerhalb.

Die Kirche ist die älteste Fachwerkkirche Norwegens und stammt ungefähr aus dem Jahr 1580. Natürlich ist sie wieder geschlossen und auch beim nahegelegenen alten Pfarrhof kann man mir zum Öffnen der Kirche nicht weiterhelfen. Also besichtige ich die von außen und stoße dabei auch auf den Gedenkstein für den hiesigen Abgeordneten, der in dieser Kirche für die Wahlversammlung des ersten norwegischen Parlaments gewählt wurde. Denn auch diese Kirche ist, wie viele der alten Kirchen, eine Wahlkirche gewesen, wo eben die o.g. Abgeordneten von der Bevölkerung der jeweiligen Region gewählt wurden.

Auf dem Weg zum Nähe gelegenen alten Pfarrhof komme ich an einer teilweise rekonstruierten Grabstätte vorbei, die entweder aus der Zeit der Völkerwanderung 400 – 600 n.Chr. stammt, oder sogar in der Bronzezeit entstand und damit viel älter wäre. Interessant ist, dass hüfthohe Gedenksteine in einer Art und Weise aufgestellt wurden, die sehr an die Steinkreise erinnert, die es in dieser Gegend gibt. Und obwohl sie genau in der Mitte der ca. 150 M von einander entfernten Kirche und dem Pfarrhof liegt, hat man sie nicht beseitigt, sondern stehen gelassen!

Der Pfarrhof selbst ist eine große Anlage mit ehemaligem Pfarrhaus, Stallungen und weiteren Gebäude für Gäste oder andere Bewohner/innen des Pfarrhof es. Heute ist es ein Kulturzentrum mit Museum, Galerie, Café und Verwaltungsgebäude. Im Museum wird u.a. Doku-Material über die Grabhügel in der Gegend gezeigt, sowie ein ca. 9000-jaehriger Frauenschädel. Letzterer gilt als Beleg für die frühe Besiedelung dieser Gegend. In den neueren Bunker in der Nähe gehe ich u.a. aus Zeitgründen nicht. Hier wird die restaurierte Geheimwaffe Adolf Hitlers gezeigt: Ein Ein-Mann-U-Boot, welches man deutscherseits gegen alliierte Schiffe einsetzen wollte. Doch dazu kam es nicht mehr.

Der Pfarrhof spielte auch eine wichtige Rolle im Leben von Björnstjerne Björnson, dem ersten Literaturnobelpreisträger Skandinaviens. Dessen Vater war hier Pfarrer. Sein Sohn wuchs hier teilweise auf und kam auch später immer wieder zurück. Einige seiner Werke entstanden hier und er heiratete auch seine Karoline in der oben erwähnten Kirche, die heute nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet wird, da es in Soegne eine neuere und größere Kirche gibt. Björnstein betätigtr sich auch als Redakteur und Politiker, der sehr für die Unabhängigkeit Norwegens stritt und auch die Nationalhymne dieses Landes textete. Im Garten des Pfarrhof es steht eine Büste von ihm. Nicht weit davon hat man auch einen Runenstein aufgestellt – der ebenfalls die Christianisierung dieses Landes überstanden hat. Der Text lautet: „Oeyvind errichtete diesen Stein nach Gunnvald, seinem Sohn“.
Nach so viel Kultur und Geschichte zieht es mich wieder auf die Straße. Meine Fahrt setze ich abseits der E39 fort, mache mir aber bald am Wegesrand mit meinem Kocher etwas zu essen, denn eigentlich wäre schön Zeit zum Kaffeetrinken!

Gegen 17.30 Uhr treffe ich dann in Kristiansand auf dem Campingplatz „Roligheden“ ein, der zu einem Tierpark gehört und auf dem ich bei einer früheren Tour schon einmal übernachtete. Mein Zelt schlage ich in einem Waldstück auf, das zum Campingplatz gehört.
Da ich nun die letzte nennenswerte Etappe meiner diesjährigen PfarrRadTour geschafft habe, gönne ich mir zur Feier des Tages eine sehr leckere Pizza, bevor ich dann ziemlich früh in mein Zelt krieche. Denn ich merke, dass die letzten Tage doch ihren Tribut fordern und ich ziemlich müde bin.

Morgen werde ich Norwegen mit der Fähre verlassen und dem ersten Teil des Rückweges nach Hause antreten.
Ich bin meinem Gott dankbar für alles, was ich erlebt habe – und dass ich es gut über-lebt habe.

Mit diesen Gedanken falle ich dann bald in einen frühen Schlaf!

Tagesleistung: 54 km, in 4 3/4 Stunden, 591 Hm.