Tag 8, Montag, 6. Juli 2026

Bevor ich heute losfahre, muss ich noch meine Übernachtung bezahlen. Die Platzbesitzern spricht Deutsch mit mir und freut sich, dass ich den Charme des Platzes wahrgenommen habe. Sie hat auch Zimtschnecken im Angebot, die sich beim Frühstück als ganz vorzüglich erweisen!
Bei der Abfahrt ist es dann bedeckt und sogar ein wenig kühl. Das soll sich den Tag über kaum ändern.

Heute will ich zum Leuchtturm auf der Halbinsel Lindesnes – und damit zum südlichesten Punkt Festlandnorwegens fahren. Wenn ich dort ankomme, dann darf ich sagen, dass ich ganz Norwegen in seiner ganzen Länge ( und auch Breite ) mit dem Fahrrad durchmessen habe. Aber vor dem Erreichen dieses Zieles hat der HERR natürlich den Schweiß gesetzt! Und der fließt auch heute wieder, obwohl es heute gar nicht so heiß ist!
Zunächst fahre ich in Richtung der Stadt Vigeland. Es geht ein längeres Stück hoch und runter durch Wald auf Schotterpisten. Ab Vigeland wird die Straße angenehmer: gut ausgebaut und fast eben!

Im Ortsteil Höllen der Verbandsgemeinde Spangereid suche ich nach einer Unterkunft für die Nacht, in der ich auch mein Gepäck lassen kann, um einfacher zum Kap Lindesnes zu kommen. Das wird aber nichts. Stattdessen mache ich einen Fast-Food-Anhänger mit asiatischem Essen aus – und merke, dass ich ziemlichen Hunger habe. Der asiatische Koch mit der goldigen Englisch-Aussprache zaubert mir ein zauberhaftes und sehr reichhaltiges Hühnercurry, sodass ich gut gestärkt das letzte Stück zum Kap Lindesnes in Angriff nehmen kann. Und dieses Stück hat es nochmal in sich…!

Und dann – bin ich da!! Es ist ein seltsames Gefühl, als ich mein Ticket für den Eintritt in den inneren Bereich löse. Fast fühlt es sich ein wenig unwirklich an. Aber: Es ist so! Ich habe es tatsächlich geschafft! Ein bekanntes Schild am Parkplatz zeigt 2518 km zum Nordkapp. Diese – und noch einige mehr – bin ich im Laufe der letzten PfarrRadTouren gefahren! Einmal durch ganz Norwegen! Mit diesen Gedanken im Kopf gehe ich hoch zum Leuchtturm. Fahrrad darf mich bis zu den Treppen der Hügelkuppe begleiten, während alle Autos und Motorräder auf dem Parkplatz bleiben müssen.

Immer noch ein wenig gefangen von der Atmosphäre und meinen Gedanken erkund ich meine Umgebung und mache ein paar Bilder – bzw. lasse welche von mir machen.

Dann nehme ich Abschied von diesem Ort, nach dem ich so gestrebt habe! Denn es liegt noch ein gutes Stück Weg vor mir! Entgegen meiner ursprünglichen Planung kann ich nicht 20 km vor dem Kap übernachten, weil es den in der Karte bezeichneten Platz nicht mehr gibt. Außerdem habe ich inzwischen Zweifel, ob es von hier aus am nächsten Tag in einem Rutsch nack Kristiansand schaffe, wo meine Fähre für die Rückfahrt gebucht ist. Schließlich weiß ich, dass ich zu jeder Uhrzeit in meinem gestrigen Camp unterkommen. Also packe ich es an! Gegen 17.30 Uhr starte ich die Rückfahrt!

Das erste Stück ist wieder eine kleine Quälerei, die allerdings im OT Höllen, in der Verbandsgemeinde Spangereid durch eine besondere Entdeckung unterbrochen wird. Denn rechts des Weges liegt ein sehr großes Grabhügel (25 Meter lang) mit einer besonderen Geschichte. Und in dieser Geschichte begegnet mir wieder einmal Olav der Heilige, auf dessen Spuren ich schon öfter gewandelt bin!

Die Säge erzählt, dass Olav an diesem strategisch wichtigen Ort auf einen Teil seines Heeres wartete. Um die Fähigkeit seiner anwesenden Soldaten zu testen und um für ein wenig Stimmung zu sorgen, soll er von jenem Grabhügel aus, dem „Klobnehaugen“, ein Bogenschießen veranstaltet haben. Sein eigener Pfeil floh weit, doch der Pfeil eines seiner Gefolgsleute schlug ihn um Längen. In Anerkennung dieser Leistung soll Olav zwei große Bautasteine ( Gedenksteine) aufgerichtet haben.

Wenn diese Legende einen wahren Kern hat,dann muss dieses Bogenschießen um 990 n.Chr. stattgefunden haben. Da war der „Klobnehaugen“ allerdings schon 500 – 700 Jahre alt!
Zur Stadt Vigeland hin wird der Weg wieder besser, vor allem flacher, um danach noch einmal in das übliche Hoch und Runter zu verfallen. Im langen Waldstück vor Mandal gehe ich noch einmal ordentlich in die Irre, während um mich herum allmählich die Düsternid anbricht. An einer Weggabelung steht das Schild der Kystruta 1, dem Fernradweg, dem ich schon die. Ganze Zeit über mehr oder weniger folge, auf der rechten Seite. Ich soll mich aber allerdings links halten. Irgendwo im Wald, nach irrsinnigen Steigungen un Gefällen, bringt mich dann Google Maps auf dem richtigen Weg. Das heißt: Das ganz Stück wieder zurück, bis zur Gabelung! Und dann geht es weiter. So ein Elend…!

Schließlich erreiche ich kur nach Mitternacht mein Camp in Mandal, nachdem ich unterwegs über ein Gewässer schauend das nächtlich illuminierte Mandal bewundert hatte. Im Gegensatz zum Norden Norwegens wird es hier im Süden gegen Mitternacht (fast) dunkel.
In dieser Quasi-Dunkelheit baue ich mein Zelt auf, richte mich ein und schlafe dann gegen ein Uhr selig ein!

Tagesleistung: 97 km, in ca. 9 Stunden, 1272 Hm

Viele Grüße – und bleiben Sie behütet!