Autor: Bjarne Skötsch Seite 1 von 9

16. Tag – Reisetagebuch PfarrRadTour 2025

Nachdem die Fähre mich gestern wieder auf festen Boden entlassen hat (Bild!), habe ich diesen festen Boden inzwischen nach meiner Rückkehr auch wieder in meinem Zuhause und bei meiner Arbeit gefunden.

Dabei begleitet mich ein besonderes Bild, das ich an einer norwegischen Hauswand entdeckt habe. Im ersten Moment ist die geschnitzte Holzskulptur ein wenig befremdend. Denn sie zeigt den Gekreuzigten als eher plumpen Menschen, der so gar nichts Beeindruckendes an sich hat.

Aber für mich passt er sehr gut zum Bild eines lebendigen Bauhandwerkers, dem Sohn eines Zimmermanns. Und der hätte – glaube ich – seine große Freude an einer Tour durch die einzigartigen Stabkirchen in Norwegen. Ja, vielleicht hätte er auch mit großer Begeisterung an diesen Gebäuden mit gebaut, die seit über 800 Jahren dem Glauben eine Heimat und den Gläubigen einen Ort geben, an dem sie diesen Glauben feiern – und wo sie vielleicht auch in ihm eine Zuflucht finden können.

Diesem Gefühl der Beheimatung, der Zuflucht und auch des Geborgenseins zu folgen war ein wesentliches Anliegen der diesjährigen 5. PfarrRadTour. Ich danke allen, die mir dabei gefolgt sind – und sich vielleicht auch ein wenig haben inspirieren lassen! Wenn dies gelang, ist ein weiteres wesentliches Ziel der Tour erreicht!

Schließlich danke ich auch allen ganz herzlich, die mit ihren Spenden ein anderes wesentliches Anliegen der Tour unterstützen: den Erhalt unserer Kirche in Böhl! Im diese Spenden einzuwerben, bin ich dieses Jahr – wenn ich richtig gerechnet habe – 763 km und 8523 Hm in rund 64 Stunden auf dem Sattel gefahren! Im Schnitt betrug mein Tempo ca. 12,5 km/h.

Natürlich bin ich auch ein wenig traurig, dass die Tour zu Ende ist, denn wenn ich die Zeit hätte und die Kraft, könnte ich noch ewig durch diese grandiose Landschaft mit ihren Schätzen der Natur und der Kultur, vor allem aber mit ihren offenen, freundlichen und hilfsbereiten Menschen fahren.

Leider habe ich diese Zeit nicht – und das ist auch der Grund, warum dies die – zumindest vorerst – letzte PfarrRadTour war. Denn die bisherigen Touren konnte ich nur machen, weil meine Kirche und deren Leitung die Aktion unterstützte, indem sie mir zumindest für die Hälfte der Tour Sonderurlaub gewährte. Leider ist dies nicht mehr möglich.

So freue ich mich und bin dankbar, dass ich fünf Jahre lang diese besonderen Erlebnisse sammeln und sie mit anderen teilen konnte. Allen, die mich unterstützt haben, danke ich herzlich und wünsche allen, die mich irgendwie begleitet haben: Bleiben Sie behütet!

15. Tag – Reisetagebuch PfarrRadTour 2025

Heute Morgen war die Nacht ziemlich früh zu Ende, da die Fähre schon um 8.00 Uhr ablegt und man eine Stunde vorher da sein soll.

Vor den Check-In-Schaltern bildete sich auf der Straße eine sehr lange Schlange, an der ich mit zwei weiteren Bikern auf dem Fahrradweg vorbeifuhr. Aber es konnten natürlich alle an Board. Da ich ziemlich zeitig dran war, wurde mir ein Platz mit Blick auf das Meer zugewiesen. Hier verbrachte ich einen großen Teil der gut dreieinhalbstündigen Überfahrt nach Hirtshals.

Auf der anschließenden Autofahrt durch das doch eher flache Dänemark fiel mir eine Begebenheit ein, die mit der abgebildeten Bierdose zu tun hat. Denn ich kurbelte gerade mal wieder in stechender Sonne einen steilen Anstieg hoch, während Fahrzeug um Fahrzeug an mir vorbeirauschte. Plötzlich drosselte eines davon deine Fahrt und fuhr dicht an mich heran. Fast wäre ich erschrocken, da wurde ich vom Auto aus auf norwegisch angerufen. Als ich den Kopf in seine Richtung drehte, hielt mir der Rufer eben jene Bierdose hin und schrie eine aufmunternde Parole! Ich konnte mich noch kurz bedanken, da gab er schon wieder Gas und ich hielt verdutzt eine Dose Bier in der Hand! Die habe ich natürlich erst später getrunken, aber das war so eine dieser Situationen, in der mir die Freundlichkeit und Anteilnahme der Norweger in allerbester Erinnerung bleiben!

So ist es mit Vielem, was mir auf der Rückfahrt durch den Kopf geht! Und ich fühle mich beschenkt, dass ich das erleben darf!
Nun steht noch eine Zwischenübernachtung in Hannover an – und dann geht es morgen endgültig nach Hause!

Von dort werde ich mich dann noch einmal melden. Bis dahin: Bleiben Sie behütet!

Tagesleistung: 7 km in einer halben Stunde, 40 Hm. Da ist noch die Einkaufsfahrt vom Vorabend mit dabei!

14. Tag – Reisetagebuch PfarrRadTour 2025

Allmählich neigt sich die diesjährige PfarrRadTour ihrem Ende zu! Doch bevor ich die letzte größere Etappe unter die Räder nehme, noch ein kurzer Nachtrag zu gestern:

Denn nachdem ich schon einige Zeit durch die Telemark gefahren bin, kam ich gestern in Ulefoss auch an einer Schleuse des Telemark-Kanals vorbei. Hier wird immerhin ein Höhenunterschied von 11 Metern ausgeglichen (Bilder!). So etwas finde ich immer wieder faszinierend!

Heute habe ich die Telemarkregion jedoch verlassen und bin in die Vestfoldregion eingetreten (Bild!)

Wer findet das Fahrrad?

Erfreulicherweise führte ein Radweg über weite Strecken an der vielbefahrenen Europastraße entlang. Wo diese für Fahrräder gesperrt war, würde ich auf Nebenstrecken umgeleitet. Eine davon war die alte Europastraße, die streckenweise mehr oder weniger parallel zur neuen Straße verläuft (Bild!). Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man als Fahrradfahrer so eine große und breite Straße (fast) für dich alleine hat!

Gegen 16.00 Uhr rolle ich dann in Larvik ein, von wo aus die Fähre mich morgen früh wieder nach Hirtshals in Dänemark bringen wird. Dort wartet ja schon mein Auto, um mich wieder in zwei Etappen nach Hause zu bringen.

Um nicht allzu weit vom Fähranleger entfernt zu sein, übernachte ich heute in einem Gästehaus am inneren Hafen Larviks, der heute vorzugsweise als Anlegestelle für kleinere (historische) Segelschiffen dient (Bilder!) Nach zwei Wochen schlafe ich wieder einmal in einem richtigen Bett und mache mich allmählich mit dem Gedanken vertraut, dass sie nun wirklich allmählich zu Ende geht – die diesjährige PfarrRadTour…!

Welche Gedanken auch gerade Die beschäftigen: Bleiben Sie behütet!

Die heutige Tagesleistung beträgt: 55 km, 550 Hm, in rund 4,5 Stunden.

12. Tag – Reisetagebuch PfarrRadTour 2025

Vergangene Nacht habe ich sehr gut geschlafen! Ich denke, dass das bisher die ruhigste Nacht meiner Tour war.

Beim Aufstehen habe ich einen schönen Blick auf den See. Nach Frühstück, Abbau und einer sehr kurzen Morgentoilette mache ich mich auf den Weg nach Heddal.

Zunächst passiere ich die alte Silberbergbaustadt Kongsberg. Auf den Tipp einer Deutschen, die ich unterwegs getroffen habe, besuche ich die große Kirche in Kongsberg. Von außen sieht sie eher aus wie ein großes Verwaltungsgebäude, (wenn der Turm nicht wäre), aber von innen ist sie sehr beeindruckend! Man merkt, dass die Besitzer und Verwalter der Silberminen hier viel Geld gelassen haben. Die Kirche ist die größte im Barockstil in Norwegen. Die wertvollen Altargeräte sind aus reinem Silber und wurden, zusammen mit den wertvollen Kronleuchtern, während des zweiten Weltkriegs in mehr als 2 km Tiefe in den Silberbergwerken versteckt und gesichert. Neben der Einrichtung beeindrucken auch die vielen (Decken-) Gemälde. Für besonders wichtige Leute und besondere Anlässe (z.B. Hochzeiten) gibt es eigene Logen.

Natürlich ist diese Kirche nicht mit den Stabkirchen zu vergleichen, aber auch sie hat ihre Geschichte und ihre Aufgabe.
Nach diesem Besuch mache ich mich bei erneuter sommerlicher Hitze auf den Weg zur größten Stabkirche Norwegens in Heddal. Doch von der berichte ich erst morgen!

Bis dahin: Bleiben Sie behütet!

Tagesleistung: 51 km, 480 Hm, in dreidreiviertel Stunden reiner Fahrtzeit.

11. Tag – Reisetagebuch PfarrRadTour 2025

Heute geht es mir wieder richtig gut! Ich habe gut geschlafen und der „Ruhetag“ gestern tat mir wohl auch gut! So breche ich auf zu neuen Taten! Zuvor mache ich jedoch noch ein Bild vom See vor meinem Zelt – weil es gerade so schön ist.

Die Straße ist – wie gestern – gut zu fahren. Es geht mitunter sogar leicht bergab. So komme ich gut voran. Zwischendurch bleibe ich stehen, weil ich wenigstens einmal diese putzigen Getreidespeicher fotographieren möchte, die mir immer wieder begegnen. Sie stehen auf Füßen, die so konstruiert sind, dass Mäuse und andere Schädlinge nicht an das Getreide kommen! (Bild!)

In der Stabkirche in Rollag bekomme ich wieder eine sehr gute Führung von einer Geschichtsstudentin, die hier als Guide und Aufsicht fungiert. Sie erklärt mir, wie die jeweiligen Generationen ihre Spuren in der Kirche hinterlassen haben. So wurde, ähnlich wie in der Nore-Stabkirche auch diese Kirche zu einer Kreuzkirche umgebaut und erhielt einen Chor, der ganz unüblich in Blockbauweise ausgeführt wurde – so wie die „normalen“ Gebäude in der Umgebung auch. Sie zeigte mir originale Teile aus dem 12.Jahrhundert, z.B. den Weihwasserkessel, der trotz Konfessionswechsel erhalten blieb (Bild!). Natürlich verwendete die auch einige Zeit auf die verschiedenen Aus – und Übermalungen, zunächst mit Mustern, später in blau und grün. Auch hier wurden alte Teile „recycelt“, was auch seine Spuren hinterlassen hat.

So ist die Kirche ein schönes Beispiel dafür, wie auch so ein Gebäude „lebt“ – und seine ganz eigene Geschichte hat.

Nach dieser sehr interessanten Begegnung will ich noch möglichst weit fahren, um nicht aus meinem wiedergewonnenen Zeitplan herauszufallen. Auf dem weiteren Weg will ich mir noch die Kirche in Felsberg anschauen, die aber leider außerordentlicher Weise geschlossen ist. So bleibt nur die Ansicht von außen, wie sie heute aussieht – und sind Bild von der Infotafel, wie sie früher aussah (Bilder!)

Tatsächlich schaffe ich es bis zur Stadt Kronberg. Allerdings finde ich keine „reguläre“ Übernachtungsstelle für Fahrrad, Zelt und mich, sodass ich in der Nähe eines Rastplatzes am Stausee vor der Stadt doch noch zu meiner „wilden“ Übernachtung komme!

Ich hoffe, bei Ihnen geht es nicht ganz so wild zu! Bleiben Sie behütet!

Tagesleistung:
96 km, 520 Hm, in 6,5 Stunden reiner Fahrtzeit.

Tagesleistung gestern:
24 km, 75 Hm, in eindreiviertel Stunden.,

10. Tag – Reisetagebuch PfarrRadTour 2025

Heute ist Ruhetag! Über Nacht hat sich in mir ein Plan abgezeichnet, dem ich heute umsetzen möchte. Und der geht so: Zunächst lasse ich heute fahren – und zwar Fahrrad und mich zur nächsten Stabkirche in Uvdal. Das hat verschiedene Vorteile: Zum einen hole ich die Zeit ein, die ich durch die ungeplant anstrengende Kletterei verloren habe. Weiter kann ich mich dabei etwas erholen, da ich mich seit gestern Abend gar nicht so wohl fühle. Und schließlich spare ich mir die zeitraubende und anstrengende Kletterei durch nicht so ansprechendes Gelände. Und so geschieht es dann auch!

Gegen 11.45 Uhr erreiche ich die Stabkirche von Uvdal, die in ein kleines Freilichtmuseum eingebettet ist. Sie hat eine bewegte Geschichte hinter sich! Aus einem kleinen Kirchlein mit rund 40 qm ist mit der Zeit eine Kreuzkirche mit über 100 Sitzplätzen geworden. Das hat natürlich Spuren hinterlassen! Man muss die Spuren der originalen Kirche schon suchen!
Zu ihnen gehört der Mittelpfeiler, der sich sonst nur noch in einer weiteren Stabkirche findet. Außerdem sind die ursprünglichen „Stäbe“, also die tragenden Stämme noch weitgehend erhalten, sowie der Tauf-„Stein“, der aus Holz ist, viele Schnitzereien (z.B. König David mit der Harfe -Bild!) und anderes mehr (z.B. geschnitzte Masken – Bild!). Mit den verschiedenen Erweiterungen wurde diese Kirche aus dem 12. Jahrhundert auch sukzessive ausgemalt (Bild!)

Alles in allem ein sehr spannendes und anrührendes Gebäude!
Nach einer kurzen Besichtigung des Freilichtmuseums und einer ebensolchen Pause geht der „Ruhetag“ dann so weiter, dass ich bei schönen Sonnenschein und weitgehend ebener bis abschüssiger Straße gemütliche 24 Kilometer bis zu nächsten Stabkirche in Nore herunterkurbele.

Nore ist die andere Kirche mit einer tragenden Holzsäule in der Mitte. Auch ansonsten weist die einige Gemeinsamkeiten mit Uvdal auf, was Umbau zur Kreuzkirche, Einbau von Fenstern, Abriss des Svalgangs und Bemalung im Innern betrifft. Bei Ausbau und Vergrößerung des Chores in viereckiger Form hat man Paneelen des vorher runden Chores recycelt, was dazu führt, dass die Muster der Bemalung voneinander abweichen. Das gibt dem Chor ein sehr spezielles Gepräge.

Die Aufsicht der Kirche ist, wie in den anderen Kirchen bisher auch, eine junge Studentin. Sie ist gleichzeitig die Führerin durch die Kirche. Da sie Zeit hat und ich Interesse, erklärt sie mir alles Recht genau und kompetent. Außerdem demonstriert die mir vor der Kirche ein LUR. Das ist eine Art Alphorn in kleiner Ausführung, welches früher von Hirten benutzt wurde und erstaunlich laut und vollklingend ist. (Bild!)

Nach diesem sehr instruktiven Besuch der Nore-Stabkirche habe ich nur wenige 100 Meter zum Norefjord-Campingplatz direkt am See. Dort komme ich ausnahmsweise mal zu einer vernünftigen Zeit an und kann daher auch einmal solche Dinge wie waschen und Tagesberichte schreiben machen.

Eine gute Zeit und und bleiben Sie behütet!

9. Tag – Reisetagebuch PfarrRadTour 2025

Bevor ich den freundlichen Campingplatz verlasse, bezahle ich noch meine Rechnung. Dafür hat es gestern Abend nicht mehr gereicht!

Um 10.00 Uhr ist es schon wieder sehr heiß! Im Schnitt sind die Temperaturen in den letzten Tagen stets an die 30 Grad Celsius herangekommen. Trotzdem läuft es zunächst Recht zügig, bis dann wieder so eine nicht enden wollende Steigung die Kraft aus den Beinen zieht. Vier bis fünf Liter Wasser zu trinken, ist in diesen Tagen kein Problem!

Schließlich komme ich in Torpo an. Die dortige Stabkirche sieht zwar von außen eher wie ein Glockenturm aus, ist aber im Innern Recht faszinierend. Das liegt vor allem auch an dem bemalten Holzbaldachin, der einst den Raum vor dem Chor und der Apsis überspannte, bevor diese im 19. Jahrhundert abgerissen wurden. Zuvor hatte man schon dem Svalgang den Garaus gemacht, um Platz für Fenster zu machen. Ein Modell, wie die Kirche einmal war, steht im Innern. Dort kannan eben auch diesen Baldachin betrachten, der im seiner Art in einer Stabkirche einzigartig ist. Darin wird unterhalb des thronenden Christus u.a. die Legende der hl. Margaretha dargestellt. Da sie den Heidenkönig Olybrius nicht heiraten wollte, ließ der sie erst auspeitschen, dann in siedendes Öl tauchen, an den Haaren aufhängen und schließlich einem Drachen zum Fraß vorwerfen. Da Margaretha aber Gott um Hilfe gebeten hatte, verwandelte sich das Kreuz, welches die um den Hals trug, zum Schwert, mit dessen Hilfe sie sich aus dem Inneren des Drachen befreien konnte und diesen bei der Gelegenheit in zwei Teile zerschnitt.

Die Malereien, mit Leimfarbe auf Kreidegrund aufgetragen, überdauern nun schon 800 Jahre, ohne bisher irgendwie bearbeitet worden zu sein – und leuchten immer noch sehr kräftig! Sehr beeindruckend! Dafür hat sich der Weg gelohnt!

Nachdem ich mich noch ein wenig mit den beiden Guides unterhalten habe, ziehe ich weiter.

Ich möchte mindestens noch bis Geilo kommen, lieber noch etwas weiter. In Geilo angekommen, beschließe ich, noch etwas weiter zu fahren und zumindest die erste von drei Höhen zu meistern, die zwischen mir und der nächsten Stabkirche in Uvdal liegen.

Also quäle ich mich noch einmal auf über 1000 Meter, vorbei am Skigebiet „Kikkut“, welches dort oben angelegt wurde. Die Abfahrt ist rasant, aber inzwischen wird es Zeit, eine Bleibe für die Nacht zu suchen. Und während ich mich seelisch-moralisch auf eine Nacht in freier Natur einrichten, komme ich kurz nach halb-elf Abends noch im „Geilofjellcamp“ unter. Das ist zwar mit 300 norwegischen Kronen bisher die teuerste Zeltunterkunft, aber wer will in dieser Situation schon verhandeln. Ein freundlicher Norweger, der mit seiner Familie und seinen Schlittenhunden unterwegs ist, weist mich ein, da der Besitzer nur per Telefon zu erreichen ist und mich eher spärlich mit Informationen versorgt hat.

Kurz vor Mitternacht krieche ich dann erschöpft in mein Zelt und wünsche mir sehnlichst den Ruhetag, den ich mir dieses Jahr im Vergleich zu den anderen PfarrRadTouren dies Jahr nicht leisten kann.

Aber wir schauen mal, was der neue Tag bringt, bzw. ob der HERR mir eine Idee eingibt. Kann ja sein!
In diesem Sinne: Bleiben Sie behütet!

Tagesleistung; 67 km (nicht so viel!), aber 1.142 Hm (eher viel) , in 6,45 Stunden.

8. Tag – Reisetagebuch PfarrRadTour 2025

Nachdem die Anfahrt nach Borgund doch ziemlich anstrengend war, nahm ich die Gelegenheit wahr und mietete mir ganz in der Nähe der Stabkirche eine Hütte. Der Vorteil war u.a., dass ich heute Morgen kein Camp abschlagen und verpacken musste.

So kam ich kurz vor 10.00 Uhr an der Kirche mit ihrem neugebauten Informationszentrum an. Nach dem Ticketkauf wurde ich zunächst durch eine Ausstellung geschleust, die allerdings sehr informativ war. Im Bericht nach der Tour, den ja alle bekommen, die etwas spenden und Wert auf ihn legen, werde ich in einfachen Worten und Bildern darstellen können wie eine Stabkirche entsteht.

Und dann gewährte man mir Zugang! Da war sie nun: eine der ältesten und die besterhaltene Stabkirche Norwegens! (Bild!) Bevor ich eintrat, ging ich erst einmal um die Kirche herum, bewunderte den sog. ‚Svalgang“ d.h. den überdachten Gang, der um das Gebäude herumführt, die Drachenköpfe auf den Dachfirsten ( Bild!) und manches andere. Durch das mit aufwändigen Schnitzereien (Bild!) versehene Portal trat ich ein – und hielt einen Moment inne, um alles auf mich wirken zu lassen.

Innen ist die Kirche in dem Zustand, in dem sie vor über 800 Jahren schon war: Ohne Bänke, ohne nachträgliche Malereien und sonstigen Veränderungen. Nur entlang der Wände gibt es fest installierte Bankreihen für die Alten und Gebrechlichen.

Stattdessen kann man sehr schön sehen, wie so eine Kirche gebaut ist: Stämme (= „Stäbe“), die durch Bögen (=“Zangen“) miteinander verbunden sind und obendrauf Rahmen mit Andreaskreuzen zur Stabilisierung (Bild!) .
Ansonsten gibt es wenig Schmuck in der Kirche und es gibt keine – Fenster! Lediglich durch kleine Oberlichter dringt etwas Helligkeit ein (Bild!) Um wirklich etwas zu sehen, mussten damals Kerzenleuchter entzündet werden, was heute natürlich nicht mehr gemacht wird. Stattdessen imitiert man echte Kerzen durch (sehr gut gemachte) elektrische Kerzen. In ihrer Ursprünglichkeit diente Borgund als Vorbild für die Renovierung anderer Stabkirchen, z.B. der Hopperstader!

Ein Unikat ist auch der noch original erhaltene Glockenturm. (Bild!) Dieser steht separat, wie das früher üblich war. So bieten alte und neue Kirche mit dem Turm in der Mitte ein ziemlich einsames Ensemble ( Bild!), von dem ich mich nur schwer trenne, aber ich muss ja noch weiter.

Aus der neuen Borgunder Kirche zeige ich nur ein Bild eines Wandteppichs. Den gab es früher, vor allem aus praktischen Gründen, in vielen Kirchen, z.B. wegen der Isolation! ( Bild).

Auf der weiteren Fahrt umfahren ich einen der längeren Tunnel und komme dabei durch eine sehr schöne Gegend mit Wildwasserfluss, putzigen Häusern und weiten Grünflächen, eingerahmt von hohen Bergen. Es geht eben dahin, aber es bleibt nicht so. Während einer Elend langen und bei der Hitze extrem anstrengenden Kletterei lande ich am Ende auf einer Hochebene auf über 1100 Metern (Bild!). Die anschließende Abfahrt ist diesmal nicht kurz und steil (meine Spitzengeschwindigkeit liegt bei 59,40 Km!), sondern allmählich und stetig. So komme ich im Ort Hemsedal an, wo ich etwas ese, um anschließend noch 30 km weiterzufahren, da ich durch die viele Kletterei etwas mit der Zeit im Verzug bin.

Zur Feier des SonntagsElchfrikadellen mit Kartoffeln, Gurken, Preiselbeeren und Salat, sowie ein alkoholfreies IPA-Bier.

Als ich mich seelisch und moralisch schon auf eine Nacht in der Wildnis gefasst mache, findet sich am Ausgang der Stadt Gol doch noch ein Campingplatz, dessen Betreiber gerade am Gehen sind (22.30 Uhr), die mich aber noch ganz freundlich aufnehmen. Müde und geschafft packe ich es gerade noch, das Zelt aufzustellen und einzuräumen – und dann ist Feierabend! Darum kommt dieser Bericht auch etwas später!

Inzwischen etwas ausgeruht grüße ich herzlich: Bleiben Sie behütet!

Tagesleistung: 97 km, 784 Hm, in ca. 7,5 Stunden reiner Fahrtzeit!

7. Tag – Reisetagebuch PfarrRadTour 2025

In der vergangenen Nacht gab es Regen. Der fing schon an, als ich von der gestrigen Etappe zurückkam. Ich habe es gerade noch geschafft, meine frisch gewaschene und getrocknete Wäsche und mich ins trockene Zelt zu verfrachten. Ansonsten war es wieder sehr trocken und sehr heiß. Den hiesigen Medien entnehme ich, dass ganz Skandinavien z.Zt. unter einer Hitzewelle leider. Ein Reporter habe am Polarkreis 30 Grad Celsius gemessen und findet das „total Gaga“! Nun ja – ich hatte das letztes Jahr auch! Da müssen wir uns wohl eher dauerhaft darauf einstellen. Stichwort: „Klimawandel „. Auch wenn das einige Leute immer noch nicht wahrhaben wollen!

Wie dem auch sei: So bin also bei 28 Grad und strahlendem Sonnenschein losgefahren!

Nach rund 13 km brachte mich eine Fähre auf die andere Seite des Fjords und bald darauf bog ich in das landschaftlich sehr schöne Laerdal ein. Dieses Tal ist von hohen Felsen eingeschlossen (Bild!) Die Straße, die ins 300 km entfernte Oslo führt, ist einigermaßen eben. Unterwegs komme ich an Björkum, der Ausgrabungsstätte einer ehemaligen Wikingersiedlung vorbei (Bilder!). Und ich treffe auch wieder auf eine Spur des Königs Olaf, dieses christlichen Missionarskönigs, der ja die Hauptrolle bei meiner ersten Tour hier in Norwegen spielte: Der Sage nach ließ Olav zwei Trolle versteinern, die ihn verspottet und ausgelacht hatten. Eine Figur stürzte vor 100 Jahren ein, die andere ist noch zu sehen (Bild!).

Kurz vor Borgund fing es dann an zu regnen. Das sorgt für etwas Abkühlung, lässt mich meine Regensachen auspacken und sorgt für eine etwas nasse erste Begegnung mit einer der wichtigsten Stabkirchen Norwegens. Aber immerhin: Sie findet ohne Publikum statt und lädt ein, sich morgen genauer kennenzulernen! Davon werde ich dann natürlich berichten!

Bis dahin: Bleiben Sie behütet!

6. Tag – Reisetagebuch PfarrRadTour 2025

Der Tag heute begann mit einer kleinen Enttäuschung! Denn die Stabkirche in Kaupanger war geschlossen – und es gab auch keinen Hinweis, ob und wann sie öffnet. Im Netz meinte jemand, bei ihm habe sie erst im 13.00 Uhr geöffnet!

Das ist mir zu spät. Denn ich möchte mir ja heute die Stabkirchen in Urmes ansehen! Die Fahrt dorthin ist landschaftlich sehr reizvoll (Bilder!) – und auch eher flach – zumindest am Anfang. Zwischendurch geht’s dann doch mal rauf – und dann steil runter zum Fähranleger. Denn die Urnes-Kirche liegt auf der anderen Seite des Fjords. Viel Spaß auf der Rückfahrt!
Doch es lohnt sich! Die Kirche, eine der ältesten Stabkirchen in Norwegen, wenn nicht gar die älteste, ist wirklich toll! Sie liegt weit über dem kleinen Ort – und der Weg will erst einmal erklommen werden!

Doch dann hat sie schon von außen einiges zu bieten. Denn ihr fehlt zwar der Svalgang, aber dafür ist auf der (geschützten) Nordseite eine uralte Holzschnitzerei zu sehen. Sie hat dem Stil ihren Namen gegeben: Urnes-Stil! Zu sehen ist der „Löwe von Juda“ = Jesus Christus, (linke Seite!), der als der Gute gegen die böse Schlange auf der rechten Seite kämpft. Dieses Werk ist tatsächlich weltbekannt!

Im Innern gibt es eine uralte, wertvolle Kreuzigungsgruppe, uralte (mind. 800 Jahre) Kerzenleuchter und einiges mehr! Und natürlich kann man auch studieren, wie die Kirche gebaut wurde.

Auf der Rückfahrt gibt mir die Fährüberfahrt noch die Gelegenheit, das Gesehene sacken zu lassen und Luft zu holen für den Aufstieg zur Straße, die mich zurück nach Kaupanger bringt. Denn dort übernachte ich zweimal, da Urnes ein Abstecher war und eigentlich nicht genau auf meiner Route liegt. Von Kaupanger wird es morgen, wahrscheinlich wieder bei heißen Temperaturen und stechender Sonne Richtung Borgund gehen. Dort steht die am besten erhaltene Stabkirche Norwegens. Ich bin gespannt!

Ihnen allen eine angenehme Zeit – und bleiben Sie behütet!

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